Von einer Stadt mit großem Potenzial

Jürgen Rogg

Ohne Schonzeit hat die Stadtverwaltung mich vom ersten Tag an vor große Herausforderungen gestellt. Durch die Änderung des Finanzsystems im Jahr 2009 auf die Doppik offenbarte sich das wahre Ausmaß der Verschuldung. Für eine Stadt unserer Größe ging es um unvorstellbare Summen. So begleitet uns bis heute jedes Jahr das Thema Haushaltskonsolidierung. 2013 haben wir den Schutzschirmvertrag mit dem Land Hessen unterzeichnet und 2018 sind wir der Hessenkasse beigetreten. Doch ungeachtet der Finanzsituation hat Dietzenbach großes Potenzial. Und die Stadt hat sich hervorragend entwickelt. Vieles kam in meiner Amtszeit hinzu: etwa das Center am Masayaplatz, das Ärztezentrum, das Einkaufszentrum Steinberg und das Bildungshaus. Wir haben das Kino im Dietzenbacher Capitol und im Open-Air-Bereich aufleben lassen und kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen neu ins Leben gerufen. Die Rudolf-Steiner- und die Montessori-Schule haben sich erweitert und es gibt neue Wohngebiete. Mehr als 80 Prozent der Gewerbegebiete sind inzwischen vermarktet. Als größten Erfolg empfinde ich, dass es mir gelungen ist, die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme nach fast 50 Jahren zu beenden. Die Flüchtlingskrise im Jahr 2014 hat uns wiederum große Aufgaben gebracht, aber wir haben sie bestens gemeistert. Dietzenbach wird nie eine reiche Stadt sein, aber für mich immer eine Stadt mit Herz, die für die Zukunft gut gerüstet ist.

Stephan Gieseler

Die schon in den Jahren 2001 bis 2009 bestehende schlechte finanzielle Situation der Stadt prägte meine ersten beiden Amtsjahre. Neben Maßnahmen wie Haushalts- und Stellenbesetzungssperren, ging es um eine strukturelle Verwaltungsreform, aus zwölf Ämtern wurden sechs Fachbereiche. Für den Bürger wahrnehmbar war die Ausweitung des Angebots im Bürgerservice. Über das Altstadtbüro wurden die Dienstleistungen der Stadt auch am Samstag angeboten.
Eine städtebauliche Herausforderung war die Entwicklung des Areals zwischen dem Rathaus und dem Kreishaus. In zähen Verhandlungen mit dem Investor Albert Ten Brinke gelang es, städtebauliche Ziele und wirtschaftliche Interessen in Einklang zu bringen. Ergebnisse sind das heutige Rathaus Center, der Europaplatz und die Ansiedlung von Tegut und Lidl. Die Mobilitätszentrale und der Busbahnhof am Masayaplatz entstanden im Zuge des Anschlusses an das S-Bahn-Netz.
Auch das kulturelle Angebot wurde ausgeweitet. Open-Air-Kino und ein städtisches Theaterabonnement fanden positiven Anklang. Die Pflege des städtischen Grüns wurde intensiviert, dem Sicherheitsempfinden diente die Einführung des Ringmaster-Systems, des freiwilligen Polizeidienstes und die Videoüberwachung. Wir konnten die Städtepartnerschaften mit Vélizy und Rakovnik beleben und die Freundschaft mit Neuhaus intensivieren. Hinzugewonnen hat die Stadt Partnerschaften mit Oconomowoc und Kostjukovitschi.

Jürgen Heyer

Dankbar rückschauend haben die zwei Amtsperioden mit insgesamt zwölf Jahren mein über 40-jähriges kommunal-
politisches und privates Leben ungemein bereichert. Vielleicht bewirkten ja auch die Zeitepoche der deutschen Wiedervereinigung mit einer neuen Partnerschaft, die strukturelle Entwicklung unserer Stadt, die 775-Jahr-Feier, die Ausrichtung des Hessentages und der Ausbau der S-Bahn-Strecke eine Aufbruchstimmung in der Einwohnerschaft. So gelang es in dieser Zeit, mit Unterstützung von Verwaltung, Politik und bürgerschaftlichen Initiativen einen deutlichen Imagegewinn zu erreichen. Es entstanden neue Wohnviertel, Flächenmärkte, die Philipp-Fenn-Halle, An- und Neubau von Heimatmuseum und Stadtbücherei, das DRK-Pflegeheim, die neue Polizeistation. Vor allem die Ansiedlung des Kreishauses und die Errichtung des Aussichtsturmes gaben Dietzenbach Aufschwung. Diese Infrastrukturmaßnahmen und Investitionen haben auch das Zusammenleben mit einer Vielzahl von Nationalitäten in unserer multikulturellen Stadt positiv und nachhaltig beeinflusst. Die Bürgerschaft und die kommunalpolitisch Verantwortlichen können seitdem nicht ohne ein wenig Stolz darauf verweisen, dass Dietzenbach, durchaus auch mit geförderten Sozialprogrammen, als Beispiel für ein friedliches Miteinander und eine gelungene Integration gelten kann. Eine urbanisierende Stadt, die mir persönlich in den über fünfzig Jahren zur Heimat wurde.

Foto: Neujahrsempfang_2020_Kreisstadt_Dietzenbach ©RSpiegel

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