Zurück in die Natur – Kläranlage reinigt Schmutz- und Regenwasser

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Im Alltag ist es eine Selbstverständlichkeit und meist will auch keiner so genau wissen, wie die einzelnen Vorgänge funktionieren. Wer sich dennoch dafür interessiert, wie Abwasser am Ende der Toilettenbenutzung, wie Duschwasser und das Nass aus Spül- und Waschmaschine wieder so sauber werden, dass sie ruhigen Gewissens in den Kreislauf der Natur zurückgeführt werden können, sollte sich die Prozesse in der Kläranlage an der Limesstraße genauer anschauen.

„Wasser hat eine existentielle Bedeutung für den Menschen“, sagt Dr. Linda Hinken, Abteilungsleiterin der Abwasserentsorgung. Das gelte auch und vielleicht gerade für das Wasser, das der Mensch in seinem Alltag benutzt und dabei verunreinigt. Moderne Computertechnik steuert die Kläranlage. In ihren Anfangszeiten vor mehr als 50 Jahren war sie für ein Dorf mit 15.000 Einwohnern ausgelegt. Heute behandelt das Klärwerk das Abwasser von rund 34.000 Bewohnern, Gewerbe- und Industriebetrieben samt Regenwasser, das von versiegelten Flächen abfließt. Und zwar immer nach dem Stand der Technik. Dabei wird das Wasser so sauber, dass es anschließend beruhigt in die Natur zurückfließen kann, sprich in die Bieber eingeleitet wird.

Vor allem die ersten Reinigungsstufen erinnern auch aktuell noch ein wenig an alte Zeiten. So filtert der Rechen Toilettenpapier, Kot und Lebensmittelreste heraus, es folgen mechanische Reinigungen für Fett, Sand, Steine und Glassplitter. „Noch vor wenigen Jahrzehnten war’s das“, erzählt Linda Hinken. Eine Anmerkung, die Besucher bei den zahlreichen Besichtigungen angesichts der Brühe ein bisschen blass um die Nase werden lässt. Aber als „Anlage in stetiger Entwicklung“ sind etliche weitere Säuberungsprozesse dazu gekommen. Und unendlich viele winzige Mitarbeiter. Fleißige Mikroorganismen, darunter gefräßige Bakterien, die täglich ihren Dienst versehen. „Unsere Anlage verfügt heute über eine weitergehende Abwasserreinigung mit Nitrifikation und vorgeschalteter Denitrifikation, also Umwandlung von Ammonium über Nitrat zu elementarem Stickstoff mit chemischer Phosphatelimination und einer anaeroben Schlammbehandlung in zwei Faulbehältern“, erklärt die Abteilungsleiterin die dahinterstehende Wissenschaft. Und mehr noch: Um das im Abwasserreinigungsprozess entstehende Klär- oder Faulgas nutzen zu können, wurde eine Mikrogasturbine installiert, mit deren Hilfe Wärme und Strom für den Anlagenbetrieb erzeugt werden können. „Derzeit ist die Turbine außer Betrieb, aber wir werden investieren und sie voraussichtlich noch in diesem Jahr erneuern“, teilt Linda Hinken mit.
So fließt das Schmutzwasser Tag für Tag von einem Becken zum anderen, durch Rohre und Kanäle und über Rechen und Pumpen. Fertig ist die Kläranlage aber auch mit dieser Ausstattung noch lange nicht. „Es gilt immer wieder, die Prozesse an die neuen Reinigungsanforderungen anzupassen“, stellt Linda Hinken fest. Mehrere Millionen Euro sind seit Mitte der 90er Jahre kontinuierlich in die Modernisierung geflossen. „Im Sinne der Bürger werden die Stadtwerke weiter investieren“, verspricht die Abteilungsleiterin.

Die Kläranlage in Zahlen
140 Kilometer Kanal
3.600 Schächte
11 Pumpwerke schicken das Abwasser in die Kläranlage
100 Liter Abwasser werden pro Sekunde durch die Kanäle geführt

Bei Regen sind es bis zu
260 Liter pro Sekunde

Bei heftigen Niederschlägen können bis zu
3.600 Liter pro Sekunde vor der Anlage ankommen

Betreiber
Die Abwasserbetriebsgesellschaft mbH (ABeG) betreibt die Kläranlage und bewirtschaftet das Abwasserkanalsystem der Kreisstadt. Mehrheitseigner der Gesellschaft ist seit dem 1. Oktober 2018 die Stadtwerke Dietzenbach GmbH. Ab dem 1. Januar 2020 werden die Stadtwerke die Kläranlage selbst betreiben.

Tipp
Keine Arznei oder Chemikalien entsorgen!
Verbesserte Analysetechniken stellen immer mehr Spurenstoffe wie Arzneimittelreststoffe, Reinigungschemikalien oder Mikroplastik im Abwasser fest. Nicht alle können von den Kläranlagen herausgefiltert werden, weitere Reinigungsstufen wären erforderlich.
Verursacher der Verunreinigung sind aber diejenigen, die das Abwasser produzieren. „Es ist daher von großer Bedeutung, dass etwa Arzneimittel oder Haushaltschemikalien nicht über das Abwasser entsorgt werden“, mahnt Dr. Hinken.

Kläranlage Dietzenbach
Limesstraße 1
63128 Dietzenbach
Tel. 06074 48630915

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