Der Umwelt zuliebe…

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In Carmen Hausers Büro im Rathaus stehen die Gummistiefel griffbereit neben dem wohlgeordneten Schreibtisch. Manchmal muss sie eben raus aus den schicken Schuhen und rein in die praktischen Galoschen. Denn einen klassischen Schreibtischjob hat die studierte Lebensmittelchemikerin nicht. Als alleinige Vertreterin der Abteilung Umwelt im Rathaus ist sie immer mal wieder unterwegs. In Betrieben und Anlagen und mitten in der Natur.

Seit mehr als 15 Jahren kümmert sich Carmen Hauser um diesen Bereich bei der Stadt Dietzenbach. Sie veranlasst Boden-, Wasser- und Schadstoffuntersuchungen, ist für die Beurteilung der Ergebnisse und die weitere Vorgehensweise zuständig. „Ich habe mich schon als Jugendliche sehr für den Umweltschutz interessiert und wusste irgendwann, dass ich in ein entsprechendes berufliches Umfeld wollte.“ Der Bereich Lebensmittelchemie erschien ihr dafür am besten geeignet. „Es ist ein sehr umfassendes Studium, vom Lebensmittelrecht bis zur Toxikologie“, erzählt sie. Gleich der erste Job führte sie in die Praxis, in die leitende Position eines Umweltlabors. „Dort habe ich viele Erfahrungen gesammelt, von denen ich heute profitieren kann.“ So war sie nicht nur für die Arbeit und die Ergebnisse des Labors verantwortlich, sondern führte auch Raumluftuntersuchungen durch und schrieb Gutachten. Carmen Hauser stand oft genug selbst am Labortisch, kennt viele der Analyseverfahren und weiß, wie ein Labor arbeitet und welche Fehler auftreten können. „Ich habe quasi die Position getauscht“, sagt sie. So kann sie Berichte genau beurteilen und entscheiden, ob Gutachten überarbeitet oder Untersuchungen wiederholt werden müssen.
Ebenso weiß Carmen Hauser um die Wichtigkeit von Vernetzung und Kommunikation. Die Lebensmittelchemikerin setzt auf gute Kooperationen, auf Vertrauen und Gespräche. „Wenn man aufeinander zugeht, gibt es meist auch eine Lösung für Probleme“, ist ihr Credo. Das gilt nicht nur für die Dietzenbacher Unternehmen, die von ihr im Rahmen ihrer Aufgaben kontrolliert werden. Ebenso engen Kontakt pflegt sie zu Kollegen im Haus sowie zu Behörden, wie dem Gesundheitsamt des Kreises. „Mein Job ist sehr bunt und vielseitig und immer wieder anders, muss ich doch ständig mit Neuem rechnen“, zieht Carmen Hauser Bilanz.

Was macht die Abteilung Umwelt?

Indirekteinleiterkontrolle
Überprüft werden jährlich Firmen, aktuell sind es etwa 90, deren Abwasser Stoffe aufweist, die für die Kanalisation und die Abwasseranlage der Stadt Dietzenbach schädlich sein können. Von der Kontrolle sind die städtischen Liegenschaften nicht ausgeschlossen. So wird bei Gaststätten der Fettgehalt im Abwasser ermittelt. „Fett kann unter anderem das Kanalnetz und die Pumpen verstopfen“, sagt Carmen Hauser. Werden Grenzwerte überschritten, sucht sie auch hier erst einmal das Gespräch und räumt dem Betrieb Zeit ein, Maßnahmen zu treffen, um die Abwasserwerte zu verbessern. „Die Erfahrung zeigt, dass ein bereits bestehender Kontakt dazu führt, dass Unternehmen frühzeitig auf mich zukommen, um Probleme im Prozess oder bei der Abwasserreinigung zu besprechen“, erzählt Hauser. Die Hemmschwelle sei geringer, wenn man wisse, wer auf der anderen Seite steht, sodass Probleme häufig erst gar nicht aufkommen. „Wir können zwar nicht die Abwasserprobleme einer Firma lösen, geben aber gerne Hilfestellungen und Tipps.“ Unternehmen, die nicht kooperieren, gibt es natürlich auch, dann setzt Carmen Hauser auf Vorladungen.

Kontrolle von Altablagerungen
Dazu gehören alte Müllkippen des ehemaligen Dörfchens Dietzenbach oder Sandgruben, die verfüllt wurden. „Keiner weiß, was da alles gelandet ist und welche Prozesse im Untergrund stattfinden und gegebenenfalls mal an die Ober-
fläche kommen“, sagt Carmen Hauser. 39 sogenannter Ablagerungsflächen sind derzeit bekannt, darunter 24 städtische. Diverse Untersuchungen wurden bereits durchgeführt. Regelmäßige Grundwasseruntersuchungen finden noch auf zwei Flächen statt. „Das Thema Altablagerungen ist aber immer wieder aktuell“, sagt sie. So wurde vor noch nicht allzu langer Zeit auf einer ehemaligen Altablagerungsfläche eine große illegale Ablagerung vorgefunden.

Erfassung und Untersuchung von Altstandorten
Im Fokus stehen alte Gewerbe- und Industriegelände, auf denen möglicherweise ein Umweltschaden entstanden ist. Das können beispielsweise ehemalige Tankstellen, Schreinereien oder Druckereien sein. Diese Gewerbe müssen nach ihrer Abmeldung erfasst und es muss überprüft werden, ob es sich bei vor langer Zeit aufgelisteten Firmen tatsächlich um Altstandorte handelt. Dahinter steckt eine Menge Arbeit. „Ich versuche Zeitzeugen zu finden, schaue mir Luftbilder und alte Bauakten an“, erzählt Hauser. Manchmal stellt sich dann heraus, dass es sich nur um eine Büroadresse gehandelt hat. Im Rahmen der Bauleitplanung können im Verdachtsfall weitere Untersuchungen notwendig werden.

Bauanträge, Verkäufe und Ankäufe von Grundstücken
Auch hier muss nachgeschaut werden, ob eine Altlast vorliegt. Bei städtischen Angelegenheiten gilt es herauszufinden, ob weitere Untersuchungen notwendig sind. Handelt es sich um Betriebe, wird zudem geprüft, ob Forderungen, die sich aus der städtischen Entwässerungssatzung ergeben, in die Genehmigung mit aufzunehmen sind.

Trinkwasserüberprüfung in öffentlichen Gebäuden
Das Dietzenbacher Trinkwasser hat eine hervorragende Qualität. Damit das auch so bleibt, ist unter anderem ein genauer Labor-Blick auf Kalt- und Warmwasser, etwa in den städtischen Kitas, beispielsweise auf Legionellen, einmal im Jahr vorgeschrieben. „Dabei ist uns das Vorsorge-Prinzip am wichtigsten, wir sperren lieber mal eine Dusche, auch wenn es der Gesetzgeber noch nicht verlangt“, sagt Hauser.

Und sonst noch…

Schadstoffuntersuchung von Raumluft
(z. B. Schimmelpilze, künstliche Mineralfasern), Beurteilung von Schadstoffgutachten bei Baumaßnahmen.
Und noch vieles mehr, wie etwa die Passivhausausstellung, verbunden mit der Energiesparmesse im Jahr 2014

Carmen Hauser © Dietzenbach Magazin

Zu den Unternehmen, die sie kontinuierlich überprüft, hält Carmen Hauser einen guten Kontakt. Sie gibt nicht nur Hilfestellung und Tipps, sondern setzt auch auf Kommunikation.

Tipps von Carmen Hauser für den Privathaushalt

Auf die Auswahl von Lebensmitteln achten und auch mal auf die Zutaten-
liste schauen. Obst und Gemüse gut waschen, um den gegebenenfalls vorhandenen Chemiecocktail zu entfernen. Ebenso Kleidung mit Umweltsiegel kaufen und an Möbeln auch mal riechen und den Verkäufer nach Schadstoffen fragen. Besser noch: „Nachhaltig handeln und der Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen.“ Also Plastikmüll vermeiden und vielleicht ab und an, bevor man etwas entsorgt, prüfen, ob es ein Anderer noch gebrauchen kann oder statt neuen auch mal gebrauchte Möbel kaufen – Vintage ist trendy und der Verbraucher mächtig!

Kreisstadt Dietzenbach
Abteilung Umwelt
Carmen Hauser
Europaplatz 1
63128 Dietzenbach
Tel. 06074 373-289
www.dietzenbach.de

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